Was mich meine Brot-Experimente in diesem Jahr gelehrt haben
Anfang 2025 bin ich auf die Idee gekommen, mein eigenes Brot zu backen. Industrie- oder Bäckereiketten-Brot wird in den letzten Jahren immer gruseliger, und so wunderbare Brotgenüsse wie die der Backgeschwister gönnt man sich ja nicht jeden Tag.
Gut, dass ich eine Bäckerfreundin in meinem Umfeld habe. Ich habe Stefanie so viele Löcher in den Bauch gefragt, wie sie die Krume eines luftigen Weizenbrotes haben soll. Sie hat mir sogar einen Sauerteigstarter geschenkt, wie ihn die Profis in ihrer Backstube nutzen.
Einmal alles richtig machen
Dazu hab ich ein paar Wochen lang alles gelesen, was mir zum Brotbacken – es ist eine Wissenschaft! – unter die Finger kam. Ich habe sorgfältig abgemessen und gewogen, peinlichst genau Gärzeiten eingehalten. Habe versucht, jede kritische Temperatur hinzubekommen. Bloß nicht zu kalt, dann geht der Sauerteig nicht auf. Ein paar Grad zu heiß: Hefe tot. Kurz: ich hab getan, was ich bis dahin (in meinem Leben) immer getan hatte: Planen, Strukturieren, ich wollte alles RICHTIG machen – die sichere Nummer.
Ich habe mir wirklich Mühe gegeben.
Was kam raus?
Ich habe gebacken. Man konnte essen, was ich aus dem Ofen zog.




Gutes Brot war es nicht. Aber anstrengende Arbeit.
Nach ein paar erschöpfenden Versuchen ein guter Grund, wieder aufzuhören.
Einfach erschöpft von Perfektion
Die Monate vergehen.
Im Sommer kommt Rachel zu Besuch. Eigentlich ist sie DJane onePiece (neben ihrem Hauptjob).

Ich finde, das Leben sollte seinen eigenen Soundtrack haben.“
DJ onePiece | Rachel Brodiak
Außerdem bäckt sie leidenschaftlich gern Brot. Mit Sauerteig. Ohne strenge Planung. Dafür mit Erfolg. Sagt sie.
Ich kann das nicht so richtig glauben.
Doch im Herbst – bei ihrem nächsten Gastauftritt in Hamburg – steht plötzlich ein Sauerteigansatz im Kühlschrank. Ich war nicht zu Hause, sonst hätte ich diesen anstrengenden Untermieter vermutlich abgelehnt.
Einfach mal machen
„Mach einfach mal“ , lässt sie ausrichten. „Einfach mit gleichen Teilen Mehl und Wasser ansetzen, Salz dazu (oder Gewürz, wenn du magst), einen Tag gehen lassen, immer wieder falten und dann in den Ofen. Versuch’s einfach, wird schon gut gehen. Und wenn nicht, versuchst du es gleich nochmal.“
Na die Frau hat gut reden.
Normalerweise fange ich bei dieser „einfach-mal-machen“-Phrase an zu knurren. Wäre es einfach, hätte ich es ja wohl hinbekommen.
Aber weil sie echt ne coole Socke ist … und sehr überzeugend sein kann, geb ich der Wasser – Mehl – Bakterien- Sache noch ne Chance.
Also mach ich einfach mal…
Ich setze meinen Perfektions-Kontrolli-Gedankenmacher-Anteil auf die Fensterbank und knete einfach los. Zur Inspiration (ganz ohne Bücher kann ich ja nun mal nicht 😉) hol ich mir noch Martin Johanssons | 1 Methode 100 Brote – der Untertitel „Ganz einfach frisch gebacken“.
Rachel hat recht. Es gelingt.



Einfach machen…
Und plötzlich erinnere ich mich: Genau das hatte ich mir vor 12 Monaten doch für das ganze Jahr vorgenommen. Mein Jahresexperiment 2025: Was auch immer mir in den Sinn kommt, ich tue es einfach und zwar sofort.
Irgendwo ist mir das im Laufe dieses intensiven erschöpfenden Jahres verloren gegangen.
Jetzt – mit dem Duft frisch gebackenen Brotes in der Nase – fang ich einfach wieder von vorn an. EINFACH machen.
Ich will leben, wie ich koche.
Versteh mich richtig: Ich will in meiner Küche keinem Profi-Konkurrenz machen. Ich will Freude haben, an dem was ich tue. Wenn das Ergebnis schmeckt, dann sind das schon 200% pures Leben.
Kannst du dich noch erinnern, wie du 2025 gestartet bist? An deine Vorhaben, deine Ideen, deine Pläne? Hattest du ein Motto?
Wie sieht es heute damit aus?
Und wenn es einen Menschen gibt, der dir wieder in die Spur geholfen hat, vielleicht hast du ja Lust bekommen, ihr oder ihm wieder mal Hallo zu sagen.
So wie ich mit diesem Artikel mein herzliches Dankeschön an Rachel sende 💖.
