DAS Chá Chá Chá hat mein Herz im Sturm erobert
(DER Cha Cha Cha als Tanz ist auch prima, doch der ist heute nicht dran.)
Sondern dieses wunderbare Restaurant in Olhao, Portugal. In dem ich jedesmal – noch bevor ich die Rechnung bezahlt habe – schon den Tisch für den nächsten Abend buche.
Chá Chá Chá Olhão: Weil Essen Menschlichkeit ist
Warum es meine Sinne so betört?
Natürlich liegt es auch am Essen. Die Speisekarte wechselt täglich. Kevin kauft morgens auf dem lokalen Markt ein. Was da ist, landet auf dem Teller. Selten habe ich an der Algarve so kreative Gerichte genossen.
Meist bin ich schon von den Vorspeisen so begeistert, dass ich es nicht bis zum Hauptgang schaffe. Dazu Hibiskus-Kombucha. Leicht, spritzig, eine Ahnung von Sommer. Ich trinke gerade keinen Alkohol – (Rheuma, du erinnerst dich?). Das Chá Chá Chá hat auch dafür eine Antwort. Viele vegetarische und vegane Optionen.
Und trotzdem: Den Thunfisch lasse ich mir nicht nehmen, der ist hier einfach zu frisch. An diesem Abend als Thunfisch-Crudo mit Orangen-Campari und knusprig gegrillten Kapern, dazu Austernpilz Shawarma mit Koriander Tahini und Gurke, und den hausgemachten Humus mit Brokkolispitzen.



Ich schmause im siebten Himmel.
Doch das Chá Chá Chá ist so viel mehr
Ein Essen ist irgendwann verdaut. Nur noch eine Erinnerung auf Fotos. Was bleibt sind die Wärme und Herzlichkeit, in der du hier Gast sein darfst.
Kevin und Sonja – ununterbrochen in Bewegung, ohne Pause im Schnack mit ihren Gästen – sie schenken dir das Gefühl, nur für dich ganz allein da zu sein. Natürlich ist diese Freundlichkeit auch ein geübtes Lächeln professioneller Gastgeber. Und doch fühlst du dich in dieser Freundlichkeit gesehen.
Der schönste Platz im Raum? Die Theke!
Meine Premiere an meinem Geburtstag vor 3 Jahren. Ich stromere allein durch die verwinkelten Gassen von Olhao. Biege um eine Ecke, es duftet verführerisch. Ein Leinen-Baldachin überspannt ein Dutzend hellgrüne Tische. Alle besetzt. Auch drinnen alles voll.
Kevin begrüßt mich mit seinem Kevin-Lächeln, zuckt bedauern die Schultern. Ich erzähle von meinem Geburtstag.
Er findet einen Platz für mich. An der Theke.

Dahinter: drei Köchinnen auf engstem Raum. Ein Rhythmus, eine Geschwindigkeit, die ich so noch nie erlebt habe. Kein lautes Wort. Kein Chaos. Nur Konzentration, Tempo – und immer wieder Lächeln. Sie scherzen miteinander, während ihre Hände nie stillstehen.
Ein kulinarisches Gemälde nach dem anderen geht über „meine“ Theke.
Ich staune.
Hinter dem Lächeln: Haltung.
Wenn Kevin oder Sonja eine Bestellung in der Küche aufgeben – der Laden brummt, beide geben wirklich Gas – höre ich sie Bitte und Danke sagen. Jedes einzelne Mal. Hab ich in Deutschland noch nie gehört.
Kevin stellt mir eine extra Blüte auf den Tisch.
Sonja wippt zum Rhythmus der Musik durch den Raum, erkundigt sich wieder und wieder bei allen Gästen, ob sie auch wirklich gut versorgt sind. Die Schweißperlen der Köchinnen sickern still in die Bandanas.
Ich recherchiere ein bisschen. Entdecke, dass hier noch viel mehr dahintersteckt als gutes Essen und professionelle Gastfreundschaft.
Kevin Gould war früher Food-Journalist beim britischen Guardian. Er hat nicht nur 2018 das Chá Chá Chá eröffnet. Er ist auch Co-Founder von Somos Esperança Olhão – auf Deutsch: Wir sind Hoffnung. Eine lokale Organisation, die Menschen in Not unterstützt.

Auf seinem Instagram-Kanal immer wieder Portraits von Lieferanten, lokalen Fischern, Markthändlerinnen. Menschen, mit denen er verbunden ist.
Das Chá Chá Chá ist mehr als gut essen.
Das Chá Chá Chá ist Menschenliebe. Herzlichkeit. Haltung
Der richtige Platz für mich.
Ich freu mich schon, 2027 wieder hier zu sein.

Es sind Orte wie dieser erinnern mich daran: Essen ist Menschlichkeit. Sie verdienen es, weitererzählt zu werden. Welcher ist deiner? Schreib ihn in die Kommentare. Ich bin wirklich neugierig.

