Was machst du, wenn du spürst, dass eigentlich nichts mehr geht? Du aber trotzdem durchhältst?
Wenn du all deine Ideen, die Kraft, die du noch übrighast, aufsparst für andere, die sie nötiger brauchen?
Ist Mist! Führt nirgendwohin. Weißt du selbst, oder?
Mein Lieblingsmensch sagt dann immer „Entfern dich vom Problem!“
Genau das habe ich getan.
An einem sonnigen Septemberwochenende schenke ich mir die Zeit und das Bahnticket, um mich endlich mal wieder neben mich selbst zu stellen. Richtig weit daneben, um besser sehen zu können.
Die komplette Anreise aus dem Hamburger Flachland ins Salzburger Bergland verschlafe ich im ICE. Na wenn das kein guter Start ist.
Wenn das Leben Fragen stellt
Gerda-Marie Adenau, eine geschätzte Kollegin, hat zum Retreat eingeladen. Der Titel: „Wenn das Leben Fragen stellt“. Unsere Frage sollen wir mitbringen.
Ich weiß nicht mehr genau, wo und wann sie zu mir kam. Mich verblüfft nur die Klarheit, in der meine Frage auftaucht, ohne dass ich auch nur eine Sekunde darüber nachdenken muss.
„Wie wäre mein Leben, wenn ich so lebe wie ich koche?“
„Wie wäre mein Leben, wenn ich so lebe wie ich koche?“
Upps, was heißt das denn?
In der Stille inmitten einer beeindruckenden Berglandschaft atme ich seit langem wieder mal frei durch. Das Stadtkind in mir fühlt sich wie Heidi auf der Alm. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe Frauen folge ich der Spur meiner Frage.






Gerda-Marie Adenau begleitet uns mit philosophischen Impulsen zum Lauschen, Spüren, Schreiben, Austauschen.
„Das Leben fragt uns, was wir zu geben bereit sind. Was es von uns erwarten kann?“ (Viktor Frankl).
Das haut tief rein. Denn da ist noch so viel mehr, das ich anzubieten habe. Mehr als ich der Welt bisher von mir gezeigt habe. Nächstes Jahr werde ich 60. Das Leben trommelt ungeduldig mit den Fingern.
„Resonanz bedeutet, mit der Welt in Beziehung sein.„(Hartmut Rosa).
Spontan fällt mir die Leichtigkeit ein, mit der ich mit mir selbst in Beziehung bin, wann immer ich in meiner Küche werkle. Kochen ist meine Meditation. Und wenn ich mit vier Frauen beim StoryTeller an meinem Küchentisch sitze, ist das Resonanz pur. Hier ist – außer dem Menü – nichts geplant. Alles entsteht von selbst.

In einer ersten Übung schreiben wir unsere Frage in großen Buchstaben auf ein leeres Blatt Papier. Eine andere Teilnehmerin hat den Auftrag, ihre spontanen Vermutungen zu notieren, weshalb mich wohl gerade diese Frage beschäftigt.
Unter meiner Frage steht:
Ich nehme an:
- sie kocht sehr gut und ist zufrieden damit
- sie ist mit ihrer momentanen Lebenssituation unzufrieden
- sie würde das gern umdrehen, so dass sie das gleiche Gefühl im Leben hat, wie beim Kochen.
Ich lese diese Zeilen still. Jede einzelne verwandelt mich in einen Wackeldackel – kopfnickende Zustimmung.
In meinem Leben – mit dem ich eigentlich ganz zufrieden bin – erlebe ich mich strukturiert, prozessorientiert, reflektiert. Ich fange nix an, bevor ich Dinge gründlich durchdacht und geplant, mögliche Risiken abgewogen – und daraus Plan B und C entwickelt habe. Raum für Spontanität erlaube ich mir eher selten.
In meiner Küche ist das vollkommen anders.
Da
- habe ich Ideen, keinen Plan.
- lasse ich mich von Rezepten inspirieren. Nehme sie aber nicht wirklich ernst.
- koche ich mit dem, was da ist. Fehlt etwas, wird improvisiert.
- ändere ich mitten im Tun manchmal die Richtung, so dass aus Auflauf eine Suppe wird, aus einem Smoothie ein Salat.
- experimentiere ich mit einer wilden Mischung aus Zutaten, die zu den wildsten wohlschmeckenden Überraschungen führen.
…und vor allem – fällt mir plötzlich auf – bin ich noch niemals, wirklich niemals auf die Idee gekommen, dass etwas schief gehen könnte.
Was also wäre, würde ich so leben, wie ich koche?
Im September nehme ich noch keine Antwort mit nach Hause. Die köcheln noch eine Weile auf kleiner Flamme.
Zurück im Hamburger Flachland bin ich wieder ganz bei mir: Kraftvoll und im Moment, vergnügt, behutsam und sehr klar. Für Menschen, die mit mir arbeiten. Für jene, denen meine Fürsorge gehört. UND für mich selbst.
Dass du heute diesen Blogartikel liest, ist eine erste Antwort. Mit diesem Blog werde ich dich mit auf meine Reise nehmen. Eine Reise, von der ich keine Ahnung habe, wohin sie mich führen wird. Wie schnell oder langsam ich reise, das wird die Zeit zeigen.
Nur eines spüre ich deutlich: die Richtung stimmt und deshalb werde ich weitergehen. Begleitest du mich ein Stück?
Falls du dir auch vom Leben Fragen stellen lassen willst – frag Gerda-Marie Adenau. Sie ist vom 30.4. – 3.5.2026 wieder unterwegs in Maria Kirchental.
